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1046AR

Burkhalter Sumi Architekten

Standardisierte Forstwerkhöfe

1994

Die Konstruktion für vier Forstwerkhöfe basiert auf einem Baukasten, dessen Teile je nach Ort verschieden zusammengesetzt werden können. Die drei standardisierten Teile bestehen aus dem Administrationstrakt, der Garage (aus feuerpolizeilichen Gründen in Beton ausgeführt) und der offenen Halle. 1993 wurde der Forstwerkhof in Turbenthal fertiggestellt, der zweite in Rheinau in diesem Frühling.

Der Waldboden verläuft unter dem grossen Dach der offenen Halle. Die über 5 m gespannten Hohlkastenflächenelemente werden von 10 m langen, unterspannten Stahlträgern getragen, welche ihrerseits am Hallenrand auf roh belassene 6 bis 8 m hohe Baumstämme aufgelegt sind. Die Aussteifung der Hallenkonstruktion erfolgt mittels diagonal verlegten Stahlseilen über das Dach, die an den Betonkern zurückgebunden sind.

Boden- und Dachkonstruktion der Administration bestehen ebenfalls aus isolierten Hohlkastenträgern, getragen von einer Ständerkonstruktion ohne Diagonalverschalung, mit direkt angeschraubter Sperrholzverkleidung und einer Dampfsperre auf der Innen- und einem Windpapier auf der Aussenseite. Die Fassade aus sägerohen Brettern ist hinterlüftet, das Dach ist ein Warmdach und hat eine beschieferte, grüne Dachpappe als Deckschicht.

Im Gegensatz zu früheren Holzbauten von Burkhalter und Sumi sind die tatsächlichen statischen Konstruktionsverhältnisse «unterdrückt». Das von Baumstämmen getragene Dach sagt wenig über die statischen Verhältnisse aus, lediglich die Unterspannung der Stahlträger verweist auf die Gerichtetheit der Konstruktion. Es wirkt wie eine abstrakte Scheibe, aufgelegt auf sechs Baumstämme.

Die unterschiedlichen Konstruktionsarten von Stütze und Decke — roh belassene Baumstämme und Hohlkastenelemente — entsprechen einem architektonischen Dispositiv jenseits von semantischen Spekulationen, im Gegensatz etwa zu den Loucheur-Häusern von Le Corbusier, wo durch das unmittelbare Aufeinanderprallen von Bruchsteinmauer und vorfabriziertem Stahlbau der Konflikt zwischen der «Welt des Handwerks» und der «Welt der Industrie» augenfällig wird. Die Hallenkonstruktion von Turbenthal verweist dagegen lediglich auf zwei unterschiedliche Verfahren (auf das Handwerkliche und das Industrielle), hergestellt vom elben Unternehmer, was bis zu einem gewissen Grad den Konflikt zwischen Handwerk und Industrie beziehungsweise zwischen Natur und Technik neutralisiert. Die roh belassenen Stämme sind ja nicht nur Teil des Gebäudes, sondern auch der bestehenden Baumsilhouette, von wo sie ja auch stammen. Das heisst das konstruktive Dispositiv wird allgemeineren, unmittelbaren Anliegen untergeordnet: Die offene Halle wird zur Überdeckung einer platzartigen Waldlichtung, die Jil I Grenzen zwischen Architektur und Natur werden bewusst vermischt.

Wie bei der Kaufmännischen Schule in Laufenburg 1992 ist die Fassade eine Art Schleier, welcher das Verhältnis zwischen Teil und Ganzem verschieden definiert (vgl. Martin Steinmann: «Ein Ganzes aus Teilen, die ein Ganzes sind», in: Baukörper, Architekturgalerie Luzern 1991). Aufder Südseite werden die Administration und die Garage mit den durchlaufenden, roten Holzbrettern verbunden. Im Gegensatz dazu sind Garage und Administration auf der Eingangsseite durch die unterschiedliche Schalung (vertikal, horizontal) und Farbgebung (naturbelassen oder rot gestrichen) voneinander getrennt.

Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
Standardisierte Forstwerkhöfe
47°22'00.0"N 8°33'00.0"E

Location: Canton of Zürich, Switzerland
Type: Atelier, Maintenance Centre

Project Team: Marianne Dutli - Andrea Bassi - Sybille Bucher
Client: City of Zürich
Construction Management: Arthur Schlatter, Wernetshausen
Engineer: Stucki Hofacker + Partner, Zürich
Text: Werk, Bauen+Wohnen
Photography: Heinrich Helfenstein


Posted: August 2022
Category: Architecture

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