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426AC

Lou Hofmann

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2017–2018

Aus dem Hauptgebäude der TU München Richtung HFF zum Mittagessen hinausspaziert, öffnet sich ein durch Kontraste geprägtes Gebiet. Hier koexistieren Alt mit Neu, Fülle mit Leere. Es setzt sich aus dichten Blockrandbebauungen zusammen, die einem strengen orthogonalen Raster folgen, typisches Merkmal der Maxvorstadt, sowie aus einzelnen, zum Teil kolossalen Solitären. Die drei Pinakotheken sind Zeugen der Heterogenität des Areals. Die Alte Pinakothek, als herrschender Solitär ist umgeben von einer weitläufigen Freifläche. Die Neu Pinakothek breitet sich aus und füllt das gesamte. Die Pinakothek der Moderne, durch den fehlenden 2. Bauabschnitt ist in seine Intensionen schwerer ablesbar. Die nördlich gelegene Freifläche ist räumlich gut gefasst. Hingegen bleibt der südliche Steifen sehr undefiniert. Er ist zu lang und zu schmal, um als Platz zu wirken, aber auch zu groß, um den Straßenraum zugeordnet zu werden. Diese Masterthesis ist ein Versuch, diese Fläche zu ordnen, zu aktivieren und letztlich aufzuwerten. Der Entwurf setzt sich zusammen aus drei verschiedenen Baukörpern, die als Auflösung des von Braunfels entworfenen 2. Bauabschnitts verstanden werden können. Durch ihre Platzierungen sollen die drei Volumen an den notwendigen Stellen den Freiraum genauer formen. Das erste Volumen an der Gabelsbergerstr. reduziert die Länge der Freifläche. Der Turm an der Ecke Gabelsbergerstr./Türkenstr. dient als Gelenk und signalisieret den Richtungswechsel. Dazwischen entsteht ein klarer definierter Bereich, der als Vorplatz für das Café und den Eingang der Pinakothek genutzt werden kann. Der dritte Baukörper, gegenüber vom Museum Brandhorst, soll für einen besseren Zusammenhang der Plätze sorgen. Es sind wie Satelliten die um die Pinakothek gravitieren jedoch der Pinakothek gegenüber untergeordnet bleiben.

Ziel dieser Arbeit ist es auch Räume für Kunst- und Architekturkommunikation zu entwickeln. Einerseits sind sie die Erweiterung und Vertiefung der Ausstellungen, sei es durch Diskussionen, Workshops oder Ateliers und richtet sich vorwiegend an Museumsgänger. Diese „klassische“ Vermittlungsfunktion wird durch das erste Volumen erfüllt. Andererseits soll es aber auch dazu beitragen, die Hemmschwelle zum Museum abzubauen, ein neues Publikum zu erreichen und die Sichtbarkeit des Museums im gesamten Stadtbild zu erhöhen. Dazu tragen vorwiegend die zwei weiteren Volumen bei. Der Turm soll temporäre Ausstellungen beherbergen: das Museum zeigt sich nach Außen. Durch seine Entkopplung vom Museum können Kooperationen mit den umliegenden Kunstgalerien oder Studenten vereinfacht werden. Zusätzlich bietet das Gebäude durch seine Höhe einen guten Ausblick über die Innenstadt, bis hin zu den Bergen. So kann sich der Weg nach Oben zu einem Kunst- und Kultur-Spaziergang entwickeln. Das dritte Volumen, gegenüber vom Museum Brandhorst, bezieht sich nicht direkt zum Museum, sondern sorgt für eine Diversifikation des Areals. Das offene Erdgeschoss ist als Andockstelle für den Wochenmarkt gedacht. Im Sommer können sich beispielsweise Eisdielen oder ein Blumenkiosk ansiedeln und im Winter ein Weihnachtsmarkt. Der obere Bereich des Gebäudes fungiert zu einen multifunktionaler Raum, der als Café und Restaurant genutzt werden kann. Obwohl alle drei Gebäude im Zusammenspiel eine stärkere Wirkung haben, können sie voneinander getrennt betrachtet werden und in verschiedenen Phasen realisiert werden. Die Erdgeschosszonen aller Häuser ist als ein komplett offener Raum konzipiert. Ziel ist es Räume zu generieren, die jederzeit für alle zugänglich sind und eine ungezwungene Atmosphäre bilden. Selbst außerhalb der Museumsöffnungszeiten können diese Räume aktiv bleiben. Es sind Übergangsräume zwischen Stadt und Museum, die als Einleitung zu den darüber liegenden Räumen dienen.

Im nächsten Schritt wurde das Augenmerk auf das Vermittlungshaus gelegt und entsprechend genauer entwickelt. Das Gebäude befindet sich zwischen zwei Baumreihen. Das dreieckförmige Stahlgerüst, sowie der Erschließungskern (der als Rückwand dient), geben dem unteren Bereich eine räumliche Fassung und eine Ausrichtung. An ruhigen Sommertagen können Hängematten und Bierbänke aufgestellt werden und bieten so einen perfekten Treffpunkt für die Quartiersbewohner. Am Abend wird dann eine Bühne aufgestellt, nach und nach halten neugierige Passaten an und schauen der Vorführung zu. An einem regnerischen Nachmittag können Kinder und Jugendliche frische Luft schnappen und im trockenen, überdachten Bereich an einem Bastelworkshop teilnehmen. Die leicht nach außen geknickte Treppe lädt den Besucher ein, den oberen Bereich des Gebäudes zu entdecken. Nach dem Empfangsbereich öffnet sich eine hohe, langgestreckte multifunktionale Halle, die das Herzstück des Gebäudes bildet. Seitlich zu dieser Halle sind drei kleinere Gruppenräume angeordnet. Diese „Alkoven“ können sich je nach Bedarf zur Halle öffnen und der Halle zugeschalten werden oder geschlossen bleiben. Bei kleineren Gruppen können die Räume separat voneinander genutzt werden oder im Zusammenhang mit der Halle zu einer größeren Einheit werden. Diese Flexibilität ermöglicht ebenfalls einen schnellen Gruppenwechsel. Eingebaute Trennwände sorgen für ausreichende Stauflächen. Im darüber liegenden Galeriegeschoss befinden Sich zwei Arbeitsräume für das Team und eine gemeinschaftliche Teeküche. So kann man sich in der Pause sein Essen aufwärmen, sich hinsetzen und in die Halle schauen. Neben dem Aufzug befindet sich eine Lagerfläche, so dass der freie Raum im Erdgeschoss schnell und einfach mit Möbeln bespielt werden kann. Die Belichtung der Halle erfolgt über nach Norden gerichtete Oberlichter. Zwei zusätzliche Fenster an den kurzen Seiten bieten einen schönen Ausblick auf das Areal.

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Gabelsberger
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EG
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Schnitt
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Modell
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Modell
48°08'49.0"N 11°34'20.0"E

Location: Munich, Germany

University: Technische Universität München
Semester: Master Project
Teaching: Florian Nagler


Posted: August 2018
Category: Academia